„BIM im Tunnelbau – von der Punktwolke zum Bestandsmodell." Mit Vortragendem Clemens Schöppner © KREBS+KIEFER
„BIM im Tunnelbau – von der Punktwolke zum Bestandsmodell." Mit Vortragendem Clemens Schöppner © KREBS+KIEFER

KREBS+KIEFER beim 9. Frankfurter BIM-Symposium

[Frankfurt am Main, 06.08.2026] Beim 9. Frankfurter BIM-Symposium am 5. und 6. August 2026 in Frankfurt am Main stand die Verbindung von Building Information Modeling und Künstlicher Intelligenz im Bauwesen im Mittelpunkt. Unter dem Leitthema „BIM meets KI – Digitale Intelligenz im Bauwesen“ bot die vom BIM-Cluster Hessen organisierte Veranstaltung ein breit gefächertes Fachprogramm mit Vorträgen, Themeninseln sowie Möglichkeiten zum Austausch und zur Vernetzung. Für KREBS+KIEFER war Projektingenieur Clemens Schöppner, M. Eng. als Referent vertreten. In seinem Beitrag zum Thema „BIM im Tunnelbau – von der Punktwolke zum Bestandsmodell“ zeigte er anhand eines Tunnelprojekts, wie sich Bestandsdaten für die Planung im Schieneninfrastrukturbau belastbar und zielgerichtet in ein BIM-Modell überführen lassen.

Das Symposium brachte Fachleute aus Planung, Bauausführung, Verwaltung und Industrie zusammen. Auf dem Programm standen unter anderem Beiträge zur Digitalisierung im Bundesbau, zu digitalen Prozessen im Infrastrukturbau, zu Open-BIM-Standards, KI-gestützten Arbeitsabläufen und zur Frage, wie sich der passende Digitalisierungsgrad in Bauprojekten bestimmen lässt. Ergänzt wurde das Vortragsprogramm durch mehrere Themeninseln, in denen einzelne Anwendungsfelder vertieft diskutiert wurden. Schöppners Vortrag war Teil der Themeninsel „Digitalisierung in der Infrastruktur“ am ersten Veranstaltungstag.

Im Mittelpunkt seines Beitrags stand die Bestandsmodellierung von Tunnelbauwerken als ein anspruchsvoller BIM-Anwendungsfall im Bestand. Gerade bei älteren Infrastrukturbauwerken ist die Ausgangslage häufig durch eine sehr ungleichmäßige Datendichte geprägt: Während die Innenseite eines Tunnels hochpräzise per 3D-Laserscan erfasst werden kann, liegen für die bergseitigen Bereiche meist nur punktuelle Erkundungsdaten vor. Anhand der Erneuerung des Schellenstein-Tunnels bei Olsberg und des Gudenhagener Tunnels bei Brilon zeigte Clemens Schöppner, wie KREBS+KIEFER mit dieser Ausgangssituation umgeht. Beide Projekte bearbeitet KREBS+KIEFER im Auftrag der DB InfraGO AG als Generalplaner und in der BIM-Gesamtkoordination.

Die besondere Herausforderung besteht darin, aus sehr unterschiedlich dichten Informationsquellen ein Bestandsmodell zu entwickeln, das dem Projektziel dient und keine Genauigkeit vortäuscht, die tatsächlich nicht vorhanden ist. Für die beiden Tunnelbauwerke wurden die luftseitig erfassten Punktwolken, die Bestandsunterlagen und die Ergebnisse aus Erkundungsbohrungen zusammengeführt. Daraus entstanden Querschnitte, die schrittweise zu einem räumlichen Modell weiterentwickelt wurden. So lässt sich die bestehende Tunnelgeometrie methodisch nachvollziehbar abbilden und für die weiteren Planungsphasen nutzbar machen.
Der modellierte Tunnel deckt somit nicht nur den Anwendungsfall 020 - Bestandsmodellierung vollumfänglich ab, sondern dient auch als Grundlage für alle darauf aufbauenden, im Projekt erforderlichen Anwendungsfälle. 

Neben seinem Vortrag war Clemens Schöppner beim 9. Frankfurter BIM-Symposium auch mit einer eigenen Facharbeit vertreten: Für den BIM-Award hatte er eine wissenschaftliche Arbeit zum Thema „BIM im Untertagebau – BIM-Anwendung für das Teilmodell ‚Hohlraumsicherung' an einem Praxisbeispiel eines Bahntunnels" eingereicht. Darin untersuchte er den aktuellen BIM-Status im Tunnelbau und entwickelte ergänzende Attributanforderungen, Modellstrukturen und einen praxistauglichen BIM-Standard für Hohlraumsicherungen mit den Vortriebsklassen 4, 6 und 7 – einschließlich der jeweiligen LOD-Stufen. Als Ergebnis entstanden eine Elementbibliothek, Attributfavoriten sowie ein übertragbarer Leitfaden für weitere Projekte. Clemens Schöppner gelangte mit seiner Einreichung in die Nomination und durfte seine Arbeit im Rahmen des Awards einem Fachpublikum vorstellen.

Das vom BIM-Cluster Hessen organisierte Symposium stand unter der Schirmherrschaft des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum. Zu den Programmpunkten gehörten neben dem fachlichen Austausch auch Beiträge aus Politik, Verwaltung und Baupraxis, darunter von Staatssekretärin Ines Fröhlich, Florian Schauland von BIM Bundesbau und Dr. Christian Schlosser aus dem Bundesministerium für Verkehr. In diesen Rahmen ordnete sich auch der Beitrag von Clemens Schöppner ein, der einen praxisnahen Einblick in die Bestandsmodellierung im Tunnelbau gab.